Lajes do Pico

Der dritte Tag unseres Besuches auf Pico startete mit herrlichem Wetter. Eigentlich kann man an solchen Tagen auch mal einfach auf der Terasse verweilen und den Tag genießen. Wir beschlossen aber, nach unserem ersten Ausflug in den Westen, uns in die entgegengesetze Richtung zu wenden und den ehemaligen Hauptstützpunkt der Walfangflotte der Azoren zu besuchen –  Lajes do Pico.

unser Nachbarhaus

Heutzutage gehört das Thema Walfang der Vergangenheit an und man widmet sich nun auf schönerer Weise den Tieren. Von Lajes aus lassen sich bei verschiedenen Anbietern Whale Watching Touren buchen und das war auch das Ziel unserer Fahrt dorthin. Aus diversen Reiseführern hatten wir auch einen konkreten Anbieter im Auge – Espaço Talassa.

Espaço Talassa in Lajes do Pico

Einer der Leitsätze dieses Anbieters ist “Wir sind bei den Walen zu Gast!”. Und wie wir dann auf dem Ausflug am nächsten Tag sehen sollten, wird hier wirklich Rücksicht geübt und auf die Natur geachtet. Mehr dazu später.

Da die Ausfahrten meist von Studenten begleitet werden, die aus allen möglichen Ländern kommen, wurden wir auch gleich auf Deutsch beraten und erfuhren schon vorab eine Menge Wissenswertes. Zu überlegen gab es für uns wenig und wir haben sogleich für den nächsten Tag gebucht, da auch gutes Wetter vorrausgesagt wurde.

Kreisverkehr, oder auch nicht… eigentlich egal bei dem nicht vorhandenen Verkehr

Die Ortschaft Lajes do Pico ist, wie alle Orte auf der Insel, sehr überschaubar und selbst ein Spaziergang am Hafen dauert nur ein paar Minuten. Der Reiseführer empfahl das lokale Walfangmuseum, welches wir aber ausgelassen und später in Horta nachgeholt haben. Außerdem war einer der berühmten Walausgucke, die sich über die gesamte Insel verteilen, in der Liste der Sehenswürdigkeiten von Lajes. Dem guten Wetter entsprechend war das unser nächstes Ziel.

der Weg von Lajes do Pico zum Walausguck mit Blick zurück nach Lajes und Pico im Hintergrund

Der Weg zum Walausguck startet am östliche Ortsende und ist eigentlich kaum zu verfehlen. Nach gut 20 Minuten ist man am Ziel. Wer sich unter einem Walausguck jetzt einen großen Turm vorstellt, der weithin sichtbar ist, der täuscht sich. Diese kleinen Türme sehen eher wie ein geschrumpfter Bunker aus und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, dass man darin nur stehen kann.

eine schmale Treppe führt hoch zum Walausguck nahe Lajes do Pico

Diese Türme, ehemals zur Jagd auf Wale genutzt, sind immer noch in Verwendung. Heute sitzen die erfahrenen Walbeobachter darin und lotsen die Ausflugsboote zu den vielversprechendsten Orten für eine Beobachtung. Mit ihren Ferngläsern sitzen sie wohl stundenlang in den kleinen Türmen und halten Ausschau.

einer der Türme der von Espaço Talassa zur Beobachtung genutzt wird

Direkt anliegend am Turm findet sich eine Wiese mit einer Tafel von Walen, die man von diesem Punkt aus erspähen kann. Seit unserer ersten Begegnung mit der Delfinschule, hatten wir den kleinen Feldstecher aus unserer Unterkunft immer im Gepäck. Oft wurde man von den Wellen getäuscht und vermutete einen Wal in Blickrichtung, aber noch waren wir unerfahren und wußten nicht, auf was man achten muss. Das sollte sich nach unserer Tour am Folgetag ändern. Oder auch nicht.

immer auf der Suche nach einer Flosse

Am Rückweg entschlossen wir uns noch ein wenig weiter in Richtung Osten zu fahren um einen weiteren Naturpool zu finden. Mittlerweile wussten wir, dass es diese feinen Badegelegenheiten alle paar Kilometer gab, nur waren sie meist nicht sonderlich leicht zu finden.

am Weg zurück nach Lajes mit Blick in Richtung Osten

Der Badeplatz in Calheta de Nesquim war wie erwartet gut versteckt, dafür aber idyllisch gelegen und hatte wie unser “Heimpool” eine nette Bar im Angebot. Nachdem wir uns dort gestärkt hatten machten wir uns auf in den Pool und waren zuerst auch wirklich begeistert.

20° Lufttemperatur und trotzdem sehnten wir uns nach dem kalten Atlantik

Besonder viel Freude bereitete uns die vielfältige Tierwelt im Pool. Fische in allen möglichen Varianten und auch ein schöner Seestern kam uns unter.

Patrick in red

Und dann machten wir eine Bekanntschaft, die uns in den nächsten Wochen begleiten sollte. Die portugiesische Galeere. Diese an sich hübschen Kreaturen verlangten uns einigen Respekt ab und wir zogen es vor an den Pool unserer Wahl weiterzufahren.

Am Abend saßen wir auf der Terasse und beobachteten unsere heimlichen Mitbewohner bei ihrem Treiben. Mit Einbruch der Dunkelheit sorgte ein Jammern in der Luft zuerst für Verwirrung. Wie wir erst herausfinden mussten, werden die Sepiasturmtaucher bei Nacht aktiv und ihre “Gesänge” klingen so, als ob jemand vor Schmerzen jammern würde.

einer unserer Mitbewohner

Als es dann so richtig dunkel wurde, offenbarte sich uns ein unbeschreiblicher Sternenhimmel. Diese Pracht ist einer der Vorteile wenn man weit abseits der großen Ballungszentren mit ihrer Lichtverschmutzung ist. Die Gelegenheit ließen wir uns natürlich nicht entgehen und nutzen die Nacht für ein paar Fotografien der Milchstrasse.

der Blick nach Süden auf die Milchstraße

Whale Watching – Lajes do Pico

Am nächsten Morgen ging es früh los. Um 9 Uhr saßen wir bereits in einer Einführungsrunde in den Räumen von Espaço Talassa.

Der theoretische Teil unseres Ausflugs war sehr lehrreich und wir erhielten vorab wichtige Informationen. Es gab Infos zur Biologie und zum Verhalten der Tiere, aber auch zur Geschichte der Walbeobachtung. Es folgten ein paar Regeln auf den Booten und Infos zum Ablauf. Außerdem wurde uns schon vorab verraten dass man Pottwale gesichtet hatte und die Chancen nicht schlecht stehen, dass wir sie auch zu Gesicht bekommen. Immer wieder wurde aber auch erwähnt, dass es keine Garantie gibt, da man sich immer nach dem Verhalten der Tiere richtet. Gut so!

ready to go

Ausgestattet mit einer wetterfesten Jacke und Schwimmweste ging es dann zum Boot.

Ausfahrt aus dem Hafen

Die Fahrt startete gemütlich aus dem Hafen, aber kurz danach wurde uns gezeigt welche Kraft die Motoren der kleinen Boote haben und wir waren schnell einige Kilometer von der Küste entfernt auf dem offenen Meer.

in insgesamt drei Boote waren wir unterwegs auf der Suche nach Walen

Die erste Gruppe von Tieren die uns begegneten, waren große Tümmler. Die Delfine zeigten kein großes Interesse an uns, waren aber auch nicht scheu und wir erfreuten uns an ihrer Anwesenheit.

ein großer Tümmler mit Nachwuchs

Die begleitenden Studenten erzählten während der Fahrt viel Wissenswertes über die jeweilgen Arten. Die Skipper standen ständig in Kontakt mit den Walausgucken und manövrierten scheinbar ziellos durch den Ozean südlich von Pico. Es sollte aber nicht lange dauern bis wir die Tümmler verließen und mit voller Fahrt einen andern Punkt ansteuerten.

ein Tümmler hat Spaß

Ein Pottwalweibchen mit seinem Nachwuchs war gesichtet worden und alle Boote machten sich auf den Weg zu diesem Ort. Schön zu sehen war, dass man an dieser Stelle ordentlich Distanz zu den Tieren hielt, die Motoren abstellte und sich in mehreren hundert Metern Entfernung treiben lies. Wir konnten die Tiere aus der Distanz beobachten und auf dem Boot kehrte ein angenehme Stille ein.

unser erster Kontakt mit den Pottwalen

Pottwale können beachtlich lange tauchen. Wenn sie einmal in den Tiefen auf Tintenfischjagd gehen, kann es durchaus über eine Stunde dauern, bis sie wieder auftauchen. Immer wieder verloren wir die Wale aus den Augen, um sie dann Minuten später wieder an anderer Stelle zu finden. Die Skipper hatten ein Gespür dafür in welche Richtung die Tiere sich bewegten.

Neben den Pottwalen bekamen wir auch wieder eine Menge Quallen zu Gesicht. Die Galeeren sehen von Weitem ein wenig wie ein Stück Plastikmüll aus, welches im Meer treibt.

portugiesische Galeere in voller Pracht

Wir verließen die Pottwale für den Moment und trafen stattdessen auf eine riesige Schule von Zügeldelfinen.

Zügeldelfine in ihrem Element

Anfangs hatten die Tiere viel Spass daran, neben, vor, hinter und unter den Booten zu schwimmen und sorgten damit für beste Unterhaltung bei allen Beteiligten. Plötzlich jedoch verwarfen sie jedes Interesse an den Touristenbooten und zündeten den Turbo. Mit unglaublicher Geschwindigkeit machten sie sich alle gemeinsam auf und strebten einem für uns nicht ersichtlichen Ziel entgegen. Wie wir im Anschluss erfuhren, dürften sie wohl einen Fischschwarm entdeckt haben und gingen alle gemeinsam auf die Jagd. Uns blieb das Schauspiel von Dutzenden aus dem Wasser springenden Delfinen.

die Zügeldelfine machen sich auf den Weg zum Fressen

Unsere Ausfahrt war aber noch nicht beendet und wir machten uns wieder auf die Suche nach den Pottwalen. Es sollte nicht lange dauern. Der Blas von zwei Walen in der Nähe führte uns zu ihnen.

weitere Pottwale auf unserer Ausfahrt

Wie wir lernten, ist dieser Blas bei den Pottwalen charakteristisch, denn die Gischt spritzt dabei nicht nach oben, sonder im winkel von 45° zur Seite. Damit lässt sich ein Pottwal schon von weitem identifizieren.

Blas eines Pottwals

Nach nun fast drei Stunden Ausfahrt, steuerte unser Boot langsam wieder in Richtung des Hafens von Lajes do Pico. Eine letzte Begegnung stand uns jedoch noch bevor.

Rundkopfdelfine mit ihrer charakteristischen von Narben gezeichneter Haut

Eine Gruppe von Rundkopfdelfinen begegnete uns kurz vorm Erreichen der Küste. Diese Tiere nähern sich eigentlich selten der Küste und zeigen sich auch scheu gegenüber von Booten. Nicht so in unserem Fall, sie ließen sich gar nicht durch unsere Anwesenheit stören.

Ein Junges mit seiner Mutter. Der Nachwuch hat noch keinerlei Narben, während der Körper der Mutter voller Kampfspuren ist.

Graffitihaut eines Rundkopfdelfins

Nach etwas mehr als drei Stunden endete unsere Ausfahrt und wir haben wirklich jede Minute genossen. In einem “Debriefing” gab es dann eine Karte für alle Teilnehmer auf der verzeichnet wurde, welche Tiere wir bei dieser Ausfahrt gesehen haben.

das Ende einer erlebnisreichen Ausfahrt

Den Rest des Tages verbrachten wir mit Baden und einem Spaziergang in den Weinbergen nahe unserer Unterkunft. Der folgende Tag sollte uns dann erstmals zu einer Wanderung ins Hochland führen.

Sonnenntergangsstimmung an der Küste

Ein kurzes Video vom Whale Watching gibt es hier zu sehen.